Meine erste selbstgenähte Reithose – oder Reitleggings, wie meine Mutter so richtig bemerkte. Okay, wenn eine Hose schwierig kompliziert zu nähen sein muss und einen unter Blut und Tränen eingesetzten Reißverschluss braucht, um sich so nennen zu dürfen, dann ist dies keine Hose. Denn dieses Schnittmuster, das aus nur EINEM TEIL (zweimal zugeschnitten) besteht, lässt sich ruck-zuck zusammennähen; inclusive Zuschneiden hat die Basiskonstruktion mit meinem Overlocker knapp eine halbe Stunde gedauert!
Ich besitze im Moment drei Reithosen, von denen zwei eigentlich hinüber sind – aber wenn ich mal 100 € über habe, dann sicherlich nicht, um schick dreckig zu werden! Diese Zeiten sind wohl angesichts des Preises von 12 € pro Meter und einem Stoffbedarf von knapp 1,15 Metern pro Hose Leggings vorbei. Eigentlich gehöre ich auch zu den Pferdemädchen, die am liebsten alles vom Halfter über die Satteldecke bis zum eigenen Zopfgummi farblich passend (und das saisonal wechselnd) hätten. Wenn da nicht die finanzielle Frage wäre… Aber wartet mal: Habe ich vielleicht den einen Bereich gefunden, in dem es auch günstiger sein könnte, selber zu nähen???
Es handelt sich hierbei um eine Leggings ohne Innennaht, die im Sattel Probleme bereiten könnte; auch enthält das Schnittmuster Optionen für Fußstege (die ein Hochrutschen verhindern) sowie verschiedene Besätze (Kniebesatz, Schnittbesatz oder Vollbesatz). Ich entschied mich für Fußstege und einen Kniebesatz, den ich aus einer alten, kaputten Reithose herausgeschnitten habe. Dummerweise hatte ich vergessen, ihn VOR den Seitennähten aufzubringen; dies erforderte ein ziemlich scherzhaftes Anstecken am Körper und ein nicht weniger problematisches Nähen auf nur einer Lage eines ca 5cm breiten Stoffschlauches. (Alle Beteiligten sind wieder wohlauf!)
Ja, es war ein wenig zu warm für Sweatshirt und Sicherheitsweste an diesem Tag. Und auch für eine kleine Diskussion mit Susi über Geschwindigkeit unseres Ausritts…
Modell: Suitability 2900
Stoff: Dunkellila Lycra (Badeanzugstoff?) von Mahlerstoffe, altes Kunstleder
Größe: XS; allerdings kann ich sie erst zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit tragen… Lieben Dank an Herrn Lycra für seine dehnbaren Gewebe!
Der Susi-Test: Vorweg sei gewarnt: Es erfordert ein wenig Mut, in dieser Hose das Haus zu verlassen – sehr angezogen fühlt man sich in dem dünnen Lycra-Stoff nicht! Dies im Hinterkopf hat die Hose den Praxistest absolut bestanden: Sie ist super-angenehm zu tragen und erlaubt eine unvergleichliche Bewegungsfreiheit im Sattel. Durch die Kniebesätze ist auch die Gefahr des Einklemmens der Oberschenkel in den Steigbügelriemen gebannt (wer schonmal in kurzer Hose im Sattel saß weiß, wovon ich spreche). Wer den Halt durch Vollbesatzhosen gewohnt ist oder ihn gar braucht, sollte von der Kniebesatzhose abstand nehmen: der Lycra-Stoff ist SUPER-glatt und rutschig! Wer allerdings locker sitzt und flexibel mitzuschwingen gelernt hat wird sich in diesen Hosen sehr wohl fühlen.







Also in Berlin wärst du mit diesem dünnen Nichts von einer Hose perfekt angezogen – hier trägt man nämlich gerne die Lycraleggings von american apparel und dazu ein knapp Po-bedeckendes weites T-Shirt. Für mich sieht das dann immer aus, als wäre bei dem Outfit etwas wesentliches vergessen worden, aber ich bin ja im Vergleich auch ne alte Tante!
viele Grüße, Lucy